Covid testing in Chaoyang
MERICS Briefs
MERICS China Essentials
13 Minuten Lesedauer

Covid-Lockdowns in China + Chinesisch-russische Zusammenarbeit im Weltraum + Globale Sicherheitsinitiative

In dieser Ausgabe des MERICS China Essentials blicken wir auf folgende Themen:

  • Corona-Lage in China bedroht die Weltwirtschaft
  • China und Russland verstärken Zusammenarbeit im Weltraum
  • Globale Sicherheitsinitiative: Beijing bekräftigt seine Russlandpolitik und das Ziel einer neuen Weltordnung
  • Rezension: Blockchain Chicken Farm: And Other Stories of Tech in China’s Countryside von Xiaowei Wang (Farrar, Straus and Giroux, 2020)
  • Im Profil: Chen Min’er: Vom Propaganda-Fachmann zum Politikstar

 

Corona-Lage in China bedroht die Weltwirtschaft

Der seit Wochen andauernde Lockdown in Shanghai hat die Coronalage in China erneut ins Rampenlicht gerückt. Die Absperrung des bedeutenden internationalen Wirtschaftszentrums mit dem weltgrößten Hafen, Sitz führender chinesischer Chip-Unternehmen, führt zu Versorgungsproblemen in China und auf der ganzen Welt. Der Plan, Arbeiter in Covid-freie "Blasen" zu stecken, um die Geschäfte in der Region Shanghai am Laufen zu halten, hat offenbar nicht funktioniert. 

Wenn sich das Virus in China weiter ausbreitet und die Regierung in Beijing an ihrer sogenannten dynamischen Null-Covid-Strategie festhält, werden weitere chinesische Städte Lockdowns verhängen müssen, wodurch die Engpässe in den globalen Lieferketten sich verschärfen könnten. 


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Chinas Wirtschaft steht massiv unter Druck. Da Millionen von Menschen ihr Zuhause nicht verlassen durften, stieg die Arbeitslosigkeit im März auf 5,8 Prozent, den höchsten Stand seit Mai 2020. Die Einzelhandelsumsätze sanken um 3,5 Prozent, der erste Rückgang seit Juli 2020. 
Probleme in der Produktion, die Zurückhaltung der Konsumenten und das langsamere Lohnwachstum könnten Beijings Wachstumsziel von 5,5-Prozent für 2022 gefährden. Besorgnis um die Entwicklung von Chinas Wirtschaft und Beijings stillschweigende Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine trugen dazu bei, dass ausländische Investoren seit Jahresbeginn chinesische Wertpapiere in Rekordhöhe verkauften. Am 25. April fiel der chinesische Leitindex CSI 300 um 4,9 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Tageseinbruch seit Anfang 2020.

Heatmap-Covid-Faelle-aktualisierte-Daten

Die Lockdown-Maßnahmen in Shanghai sorgen in der Bevölkerung für großen Unmut. Im Internet kritisierten Bewohner der Stadt scharf die mangelhafte Kommunikation der Regierung, logistische Probleme bei der Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten sowie die Quarantänebedingungen. 
Für Aufsehen sorgte ein Video mit dem Titel "Voices of April" (四月之声), eine Montage aus Sprachnachrichten über die Folgen des Lockdowns in Shanghai. Zwar schritt die Zensur schnell ein und entfernte den Beitrag aus dem Netz, konnte aber nicht verhindern, dass immer neue Kopien veröffentlicht wurden.

Aufgrund der niedrigen Impfquote unter älteren Menschen in China und der hohen Sterblichkeitsrate während der jüngsten Omikron-Welle in Hongkong hat Beijing den Druck auf die Kommunen erhöht, an der sogenannten dynamischen Null-Covid-Strategie festzuhalten. Lokale Behörden sind gezwungen, beim geringsten Anzeichen eines Ausbruchs strenge Maßnahmen zu ergreifen. Beijing etwa reagierte am 26. April nach 33 neu gemeldeten Fällen mit Ausgangsbeschränkungen und Massentests. In einzelnen Stadt- und Geschäftsvierteln kam es zu Panikkäufen. 

MERICS-Analyse: "Während einige Teile der Welt sämtliche Covid-Beschränkungen aufgehoben haben, erlebt China den schlimmsten Ausbruch seit Beginn der Pandemie. Der Kontext ist ein anderer als noch vor zwei Jahren, als das Wirtschaftswachstum weltweit zurückging", sagt MERICS-Expertin Aya Adachi. "Viele Volkswirtschaften, die auf chinesische Importe angewiesen sind, gehen zwar zur Normalität nach der Pandemie über. China dürfte sie jedoch vor große Probleme stellen, da sich Lockdowns in immer mehr chinesischen Städten massiv auf die globalen Lieferketten auswirken könnten."

Mehr zum Thema: Der neue Bericht des European Think-tank Network on China (ETNC) untersucht „Europas Abhängigkeit von China: Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit“. Mit herausgegeben wurde der Bericht von MERICS-Expertin Francesca Ghiretti. Barbara Pongratz, Bernhard Bartsch und Vincent Brussee haben das Kapitel über Deutschland beigetragen.

Medienberichte und Quellen:

 

METRIX

300 Millionen Tonnen

Das ist die 2022 angestrebte Erhöhung der neuen Produktionskapazitäten für Kohle. Kurz nach der Ankündigung durch Ministerpräsident Li Keqiang bekräftigte dies auch Chinas Nationale Energieagentur: „Die Kohlekraft wird noch lange Zeit eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit spielen." Die Aussagen bekräftigen einen sich seit Wochen andeutenden politischen Kurs: nach der russischen Invasion in der Ukraine räumt die chinesische Führung der Energiesicherheit erhöhte Priorität ein.