ourists walk on the exposed thousand-hole bridge of the Ming Dynasty in Jiujiang city, East China's Jiangxi province, Sept 3, 2022. As Poyang Lake enters the low and dry season, the thousand-year stone island and the "thousand-hole bridge" on the bed of Poyang Lake are exposed on the dry lake bed.
MERICS Briefs
MERICS China Essentials
13 Minuten Lesedauer

Herausforderungen vor dem Parteitag + Xis geplante Auslandsreisen + Chinesische Tech-Firmen an US-Börsen

In dieser Ausgabe des MERICS China Essentials blicken wir auf folgende Themen:

  • Lockdowns, Hitzewellen und Nahrungs-, Wasser- und Energieknappheit – Chinas Führung steht vor dem Parteitag vor zahlreichen Herausforderungen
  • Xi bereitet sich auf erste Auslandsreise seit Beginn der Pandemie vor
  • Chinesische Unternehmen behalten vorerst US-Börsennotierungen 
  • Lang erwarteter UN-Bericht über Xinjiang bestätigt weitreichende Menschenrechtsverletzungen
  • Rezension: Innovate to Dominate: The Rise of the Chinese Techno-Security State von Tai Ming Cheung (Cornell University Press, 2022)

Lockdowns, Hitzewellen und Nahrungs-, Wasser- und Energieknappheit – Chinas Führung steht vor dem Parteitag vor zahlreichen Herausforderungen 

Hitzewellen, Dürren, Nahrungs-, Wasser- und Energieknappheit sowie anhaltende Covid-Lockdowns stellen Xi Jinping wenige Wochen vor dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) vor große Herausforderungen. Xis Vision von einem „gemeinsamen Wohlstand” entgegenlaufend, geraten derzeit vor allem Haushalte, kleine und mittelgroßen Unternehmen in finanzielle Bedrängnis. Zudem leeren sich die Kassen mancher Lokalregierungen, was die Frage aufwirft, wer die Kosten trägt. All das könnte das Vertrauen in den Parteistaat ausgerechnet in einer Zeit schwächen, in der sich die KPC um breite öffentliche Unterstützung bemüht.

Mehr als 260 chinesische Wetterstationen meldeten während der jüngsten Hitzewelle in weiten Teilen des Landes die höchsten Temperaturen seit Beginn ihrer Aufzeichnungen. Die extreme Hitze hatte Dürren und ausgetrocknete Flüsse und Seen zur Folge und beeinträchtigte die Wasserkraftproduktion entlang des Jangtse. Wuhan, Hangzhou, Shanghai, Suzhou, Nanjing und weitere große Städte schränkten den Stromverbrauch ein. In sozialen Medien berichteten Nutzer von Todesfällen an Arbeitsstätten und in Wohnungen, da die hohen Temperaturen wegen der eingeschränkten Elektrizitätsversorgung nicht in Schach gehalten werden konnten. 

Auch wenn es inzwischen etwas kühler geworden ist, könnten Probleme bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sowie Stromengpässe fortdauern. Chinas Reisernte, die traditionell von September bis November stattfindet, dürfte ebenfalls unter dem extremen Wetter leiden. Die globale Ernährungskrise und steigende Lebensmittelpreise werden es für Beijing schwieriger machen, die Ausfälle durch Getreideimporte zu ersetzen. Beijing ist in der Kritik, weil es Getreide hortet und damit zum globalen Preisanstieg nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine beitrug. Es stellt sich nun die Frage, ob Xi in der aktuellen Situation die Getreidereserven des Landes anzapft. 


MERICS China EssentialsSie lesen einen kostenlosen Auszug aus der aktuellen Ausgabe des MERICS China Essentials. Unsere Briefs können Sie hier abonnieren, um Zugang zu allen Inhalten zu erhalten.


Harte Lockdowns zur Eindämmung von Covid-Ausbrüchen wirken sich weiterhin negativ auf die Wirtschaft und das Leben der Menschen aus. 33 Städte mit insgesamt mehr als 65 Millionen Einwohnern sind abgeriegelt. Besonders schwer erwischte es die dicht bevölkerte Megastadt Chongqing, wo extreme Hitze, Trockenheit und Energieknappheit die Folgen von Coronabeschränkungen noch verstärkten. Chinas „dynamische“ Null-Covid-Strategie beeinträchtigte auch die Rettungsmaßnahmen nach einem Erdbeben der Stärke 6,6 in einer ländlichen Region der Provinz Sichuan, westlich von Chongqing.

MERICS-Analyse: „Vor dem Parteitag hat es die KPC mit unterschiedlichen Stressfaktoren zu tun, die Chinas Wachstum, soziale Entwicklung und die Lebenssituation der Bürger beeinträchtigen,“ sagt Katja Drinhausen, Leiterin des Programms Innenpolitik und Gesellschaft bei MERICS.  „Ein Jahr nachdem Xi die Beseitigung der absoluten Armut erklärte, droht China hinter bereits Erreichtes zurückzufallen, falls es nicht gelingt, Notfallhilfen, Steuererleichterungen und andere Unterstützung bereitzustellen.“ 

China im Katastrophenmodus


Medienberichte und Quellen:

METRIX

1,100

Das ist die Zahl der Cyberangriffe, die nach Angaben chinesischer Experten allein im Juni von der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA) der USA auf die Northwestern Polytechnical University gerichtet wurden. Die in Xi'an ansässige Einrichtung entwickelt unter anderem Waffen für das chinesische Militär. Sie soll eines von vielen Zielen in China sein, die zehntausende Cyber-Angriffe durch die NSA-Einheit für gezielte Angriffsoperationen verzeichneten. Westliche Cybersicherheitsunternehmen und Regierungen benennen schon seit längerem regelmäßig chinesische, staatlich unterstützte Akteure explizit, denen sie Cyberangriffe vorwerfen. Ähnlich äußert sich auch China in den vergangenen Jahren verstärkt auch öffentlich über angebliche von der US-Regierung gesteuerte Cyberangriffe auf chinesische Einrichtungen. (Quellen: Vice, CVERC, Pangu Lab)