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MERICS Briefs
MERICS China Essentials
11 Minuten Lesedauer

Afghanistan + "Gemeinsamer Wohlstand" + Datensicherheitsgesetz

Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan nach dem Rückzug der US-Truppen hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. In China bezeichnete die parteistaatliche Propaganda den chaotischen Abzug und die Evakuierung von Truppen und Zivilisten als peinlich und als weiteren Beweis dafür, dass die globale Führungsrolle der USA im Niedergang begriffen sei. Zugleich wurden Zweifel an der Verlässlichkeit der USA als Sicherheitsverbündeter geäußert und davor gewarnt, dass Taiwan wie Afghanistan von den USA im Stich gelassen werden könnte. 

Tatsächlich ist die chinesische Führung über die Herrschaft der Taliban in Afghanistan auch besorgt. Das zeigt sich auch in der verschärften Zensur von Online-Diskussionen. Entfernt wurde beispielsweise die chinesische Übersetzung eines Briefes der afghanischen Filmemacherin Sahraa Karimi, in dem diese die internationale Gemeinschaft aufforderte, der Lage von Frauen und Mädchen in ihrem Land Beachtung zu schenken. Auch ein Weibo-Beitrag der People's Daily wurde nach Kritik an einer beschönigenden Darstellung der Taliban rasch entfernt. 

Beijing propagiert seine Politik der Nichteinmischung in die innenpolitischen Angelegenheiten anderer Länder sowie der friedlichen Koexistenz als Modell für die künftige Zusammenarbeit mit Afghanistan. Chinas parteistaatliche Medien versuchen unterdessen, die Taliban in ein positives Licht zu rücken. Der chinesische Auslandssender CGTN zitierte Außenminister Wang Yi, der die Taliban dafür lobte, dass sie positive Signale an die Welt senden würden. Ein ehemaliger chinesischer Minister bezeichnete das vom Krieg zerrüttete Land als Goldgrube für chinesische Bauunternehmen und Investoren. Die Aussicht auf eine Beteiligung am Wiederaufbau Afghanistans ließ auch die  Aktienkurse chinesischer Baufirmen steigen.